Mein Jahr 2010 war ein sehr durchwachsenes. Und es war vor allem sehr geprägt von den letzten Monaten. Leider. Denn das Jahr hat super angefangen. In meine finanziellen Sorgen und Nöte, die ich aus 2009 mitgebracht habe, bot mir Sabine einen Job an. Und noch heute bin ich unfähig, die richtigen Worte für ein Dankeschön zu finden. Sie hat mir eine große Last genommen - und ich habe viel zu wenig zurückgegeben. Als letzte Woche das Weihnachtsgeschenk kam, mußte ich wieder losheulen, denn es ist so typisch für Sie. Typisch für diese Familie, typisch für diese Firma. Ich habe selten jemanden erlebt, der so uneigennützig für andere einsteht! Und ich kenne niemanden, der Erfolg mehr verdient als diese zwei Frauen, die die Firma ausmachen! Ich danke von Herzen für dieses Jahr, in dem ich Teil sein durfte. Und ich hoffe auch sehr, dass ich irgendwann noch die richtigen Worte und das richtige Geschenk finden werde, um dieses noch einmal zum Ausdruck zu bringen.
Irgendwann in diesem Jahr habe ich mich sehr stark gefühlt. Ich habe mit großer Freude ausgeteilt und gegeben, denn mir ging es gut. Und dann kamen die letzten Monate, dann kamen Zweifel, dann kam irgendwie - mmh, was eigentlich? Ich kann es schwer in Worte fassen, was ich die letzten Monate empfunden habe. Angefangen hat es mit einem Geschenk, in das ich viel Herzblut gelegt habe (auch wenn es finanziell von vielen getragen wurde, so war es eben doch mein Herz, was da drin steckte) - und es kam (in meinen Augen - andere sehen das vielleicht anders?!) zu wenig zurück - ein Rundum-Dankeschön bei twitter und eine eigentlich von mir erzwungene mail, die auch genau so klang - erzwungen. Da kamen zum ersten Mal Zweifel. Nicht die Zweifel an meinem Können, sondern die Zweifel, ob das Leben, das ich gerade lebe, wirklich das richtige ist. Ob ich mein Herz wirklich an die richtigen Sachen hänge. Und dann kam der große Ärger mit Job 2, der mir viel meiner Selbstsicherheit genommen hat. Und dann noch der Ärger mit Job 1 - der mir auch das letzte bisschen Selbstsicherheit genommen hat. Und das feststellen, dass man damit allein ist. Zeiten, in denen man auch einfach mal eine kleine Aufmerksamkeit gebraucht hätte - Aufmerksamkeiten, die man immer so überschwenglich verteilt hat.
Und inzwischen weiß ich, dass der Fehler bei mir liegt. Dass ich mich auf die falschen Dinge konzentriert habe - ich habe mich auf eine Phantasiewelt konzentriert, eine virtuelle Welt. Dass ich falsche Erwartungen habe. In der virtuellen Welt neigt man schneller dazu, Freundschaft zu empfinden. Man ist so sehr Teil von anderen (durch die Blogs, durch Twitter/Facebook - dem ständigen Teilhaben am Leben anderer) und vergißt, dass auch noch hunderte andere Teil sind. Man fühlt mit, man lacht mit, man weint mit. Selbst ein eher menschenscheuer Mensch hat plötzlich hunderte Freunde. Oder jemand wie ich, der sich nur schwer auf andere Menschen wirklich einlassen kann, kann sich plötzlich sogar auf mehrere Menschen einlassen. Aber ich habe vergessen, dass das eben nicht die reale Welt ist. Und vor allem habe ich vergessen, dass man in dieser Welt der Meister der Worte sein muß - was ich dummerweise einfach nicht bin...
Ich habe mich in dieser virtuellen Welt einfach zu sehr engagiert - also mit dem Herzen, weniger mit Worten. Ich habe immer gedacht, wenn ich in guten Zeiten gebe, dann bekomme ich in schlechten Zeiten auch etwas zurück! Und da geht es jetzt nicht um materielles. Ok, ich bin ein Mensch, der nur schlecht Worte findet. Vor allem mitfühlende Worte. Ich kann Gefühle nur schlecht ausdrücken und Mitgefühl noch viel schlechter. Obwohl ich mitfühle, mitleide - die richtigen Worte finde ich dafür nicht. Aus diesem Grund verschicke ich statt vieler Worte lieber kleine Aufmerksamkeiten. Kleine Schutzengel, kleine Nähereien. Das kann ich halt. Das mache ich gern. Vor allem in Zeiten, wo es mir gutgeht. Ich erwarte keine Schutzengel zurück. Auch keine genähten Sachen. Mir reichen auch Worte. Denn viele andere können mit Worten bedeutend besser umgehen als ich...
Auch in den letzten Wochen gab es wieder einige Aktionen. Adventskalender für x, Adventskalender für y. Menschen, die Mitgefühl verdient haben, die Unterstützung verdient haben. Ich bin bei solchen Sachen gern dabei. Aber irgendwie habe ich festgestellt, dass mich die letzten Wochen sehr gelähmt haben. Dass es mir keine Freude (mehr) macht. Ich habe keine Lust mehr zu geben. Ich sitze Tag für Tag da und bin unfähig, mich zu motivieren. Die Selbstzweifel fressen mich auf und das schlimme ist, sie lähmen mich! Ich müßte nach neuen Perspektiven suchen, aber ich kann im Moment einfach nicht - ich kann mich im Moment einfach nicht anbieten, weil ich mich gerade selbst so gar nicht toll finde. Wie soll man sich für einen Job bewerben, wenn man doch gerade unsicher ist, ob man wirklich die Richtige ist??
Ich habe noch kein einziges Weihnachtsgeschenk - ich, die sonst eigentlich immer schon das ganze Jahr kleine Geschenke sammelt und dann Weihnachten viel zu viel hat. Die normalerweise für jeden hunderte Ideen hat, die eigentlich ständig etwas verschenken könnte, weil es ihr einfach so viel Freude macht. Ich habe meine "zu Beschenken"-Liste auf das absolute Minimum reduziert und trotz allem werden meine Geschenke wohl in der Nacht zum 24. entstehen.
Blogbeiträge, die früher mein Mitgefühl geweckt haben, wecken im Moment eher Wut. Entlocken mir eher ein "Reiß Dich doch mal zusammen, höre auf zu jammern". Wahrscheinlich, weil ich das auch gerade jeden Tag mache - mich zusammenreißen, nicht jammern. Obwohl ich gerade wirklich schlecht darin bin. Ich sitze lethargisch hier, um mich herum stapelt sich alles - jeder will, jeder zerrt und ich bin unfähig, mich zu bewegen... Je mehr es sich stapelt, desto schlimmer die Unfähigkeit, anzufangen.
Aber ich muß - zwei Wochen durchziehen, zwei Wochen durchhalten. Und dann die letzte Woche des Jahres 2010 nutzen, um mich selbst wiederzufinden. Um mich neu zu definieren. Meine Ansprüche, meine Vorstellungen, meine Vorbilder, meine Ziele! Um nach neuen Wegen zu suchen und diese konsequent zu verfolgen. Diese elende Lethargie abschütteln und wieder nach vorn gehen!